Christus

Jesus Christus: Der Mittelpunkt aller Dinge


Im Herzen des katholischen Glaubens steht keine Philosophie und kein Sittengesetz, sondern eine Person: Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch. Alle Lehre, alle Sakramente und alle Frömmigkeit der Kirche strömen aus ihm hervor und kehren zu ihm zurück, denn die Katholiken glauben, dass der ewige Gott in Christus in die Menschheitsgeschichte eingetreten ist, um sie von innen heraus zu erlösen. Dieser Überblick zeichnet die großen Geheimnisse seines Lebens nach sowie jene Andachtsformen, die die Gläubigen am tiefsten in seine Liebe hineinziehen.

🖼BildplatzhalterDas Wort, das Fleisch geworden ist — Gott tritt in der Menschwerdung in die Menschheitsgeschichte ein
Das Wort, das Fleisch geworden ist — Gott tritt in der Menschwerdung in die Menschheitsgeschichte ein

Die Menschwerdung: Gott wird Mensch

Das Wort Menschwerdung bezeichnet das zentrale Staunen des Christentums: dass der ewige Sohn Gottes eine vollständige menschliche Natur angenommen hat, um die Menschheit von innen heraus zu retten. Die Kirche lehrt, dass Jesus Christus weder halb Gott noch halb Mensch ist und auch keine Vermischung von beidem darstellt, sondern eine göttliche Person, die zwei verschiedene Naturen besitzt — vollständig göttlich und vollständig menschlich —, die ohne Vermengung geeint sind. Er hat einen wahren menschlichen Leib, einen menschlichen Geist und einen menschlichen Willen, der dem göttlichen Willen, den er ewig mit dem Vater und dem Heiligen Geist teilt, vollkommen entspricht.

Diese Wahrheit wurde in den frühen Konzilien im Kampf gegen Irrlehren erarbeitet, die entweder Christi Gottheit oder seine Menschheit verringerten. Die Kirche bestand auf beidem, weil die gesamte Heilslogik davon abhängt: Nur derjenige, der wahrhaft Gott ist, konnte die Welt erlösen, und nur derjenige, der wahrhaft Mensch ist, konnte diese Erlösung stellvertretend für die Menschheit darbringen. In der Menschwerdung wird der unsichtbare Gott sichtbar, zugänglich und nah — ein Kind in Betlehem, ein Zimmermann in Nazaret, ein Lehrer auf den Straßen Galiläas.

Das Paschamysterium: Leiden, Tod und Auferstehung

Der Gipfel des erlösenden Werkes Christi ist das, was die Kirche das Paschamysterium nennt — sein Leiden, seinen Tod, seine Auferstehung und seine Verherrlichung. Es steht im Herzen des christlichen Glaubens, denn hier wurde Gottes Plan zur Rettung der Menschheit ein für allemal vollbracht. Das Geheimnis hat zwei untrennbare Bewegungen: Durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz hat Jesus die Menschheit aus der Knechtschaft der Sünde befreit; durch seine Auferstehung am dritten Tag hat er den Weg zu einem völlig neuen und unvergänglichen Leben aufgetan.

Katholiken betrachten das Kreuz nicht als eine Tragödie, die durch ein glückliches Ende widerrufen wird, sondern als eine einzige erlösende Tat, in der das Leiden selbst in das Tor zur Herrlichkeit verwandelt wird. Christi Gehorsam bis zum Tod beantwortet den Ungehorsam der Menschheit, und seine Auferstehung aus dem Grab ist die Erstlingsfrucht der Auferstehung, die allen verheißen ist, die ihm angehören. Deshalb verkündet die Kirche das Paschamysterium nicht bloß als ein vergangenes Ereignis, das erinnert werden soll, sondern als eine gegenwärtige Wirklichkeit. In jeder Feier der Liturgie, und auf höchste Weise in der Eucharistie, wird Christi Heilswerk gegenwärtig gemacht und zieht jede Generation in seine Kraft hinein.

🖼BildplatzhalterDurch seine Wunden sind wir geheilt — das Kreuz im Mittelpunkt des Paschamysteriums
Durch seine Wunden sind wir geheilt — das Kreuz im Mittelpunkt des Paschamysteriums

Die Realpräsenz in der Eucharistie

Unter allen Sakramenten nimmt die Eucharistie den höchsten Rang ein, denn in ihr ist Christus nicht bloß sinnbildlich gegenwärtig, sondern wahrhaft, wirklich und wesentlich. Die Kirche lehrt, dass bei den Worten der Wandlung die ganze Substanz des Brotes zur Substanz des Leibes Christi und die ganze Substanz des Weines zu seinem Blut wird — eine Umwandlung, die die Kirche Transsubstantiation nennt. Die äußeren Gestalten von Brot und Wein bleiben unverändert, aber ihre innerste Wirklichkeit ist der lebendige Christus geworden.

Diese Gegenwart ist vollständig und ganz unter jeder Gestalt und in jedem Partikel vorhanden, sodass Christus auch im kleinsten Teil der konsekrierten Hostie vollständig empfangen wird. Seine eucharistische Gegenwart beginnt im Augenblick der Wandlung und dauert an, solange die gewandelten Gestalten bestehen. Für Katholiken ist die Messe daher zugleich ein Opfer, das das eine Opfer von Golgota gegenwärtig setzt, und eine heilige Kommunion, in der die Gläubigen Christus selbst als Speise des ewigen Lebens empfangen. Die Eucharistie ist, mit den Worten der Kirche, Quelle und Höhepunkt des gesamten christlichen Lebens.

Das Heiligste Herz Jesu: Die Liebe, der man sich nicht entziehen kann

Die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu richtet den Blick des Gläubigen auf das leibliche Herz Christi als Sinnbild und Wohnsitz seiner grenzenlosen Liebe zur Menschheit. Obwohl sie in Jahrhunderten christlicher Frömmigkeit verwurzelt ist, erhielt die Andacht ihre heutige Gestalt durch die Visionen, die der heiligen Margareta Maria Alacoque, einer französischen Ordensfrau, ab 1673 zuteilwurden. In ihren Erscheinungen zeigte sich Christus mit sichtbarem Herzen, dornengekrönt und von Flammen umgeben — die Flammen versinnbildlichen seine brennende Liebe, die Dornen den Undank, mit dem diese Liebe so oft begegnet wird.

Aus diesen Begegnungen erwuchsen Frömmigkeitsübungen, die bis heute geschätzt werden: die Ersamstagskommunion, die Heilige Stunde des Gebetes sowie die Weihe von Häusern und Herzen an das Heiligste Herz Jesu. Im Kern ist diese Andacht eine Einladung, auf eine Liebe zu blicken, die nichts zurückhält — auf einen Gott, der sein eigenes Herz entblößt und nur darum bittet, wiedergeliebt zu werden.

VideoplatzhalterWahrhaft gegenwärtig — Christus in der Eucharistie unter den Gestalten von Brot und Wein
Wahrhaft gegenwärtig — Christus in der Eucharistie unter den Gestalten von Brot und Wein

Die Göttliche Barmherzigkeit: Vertrauen in einen Ozean der Gnade

Wenn das Heiligste Herz die Tiefe der Liebe Christi offenbart, so verkündet die Andacht zur Göttlichen Barmherzigkeit deren unermüdliche Bereitschaft zur Vergebung. Durch die Visionen der heiligen Faustina Kowalska in den 1930er Jahren, festgehalten in ihrem Tagebuch Barmherzigkeit Gottes in meiner Seele, bat Christus darum, dass seine Barmherzigkeit einer verwundeten Welt bekannt gemacht werde. Er erbat ein Bild von sich, aus dessen Herzen rote und weiße Lichtstrahlen strömen — Sinnbild des Blutes und des Wassers, die aus seiner durchbohrten Seite flossen —, versehen mit dem schlichten Glaubensbekenntnis: „Jesu, ich vertraue auf Dich."

Die Andacht schenkte der Kirche die Barmherzigkeitskorona, die Feier der Barmherzigkeitsstunde um 15 Uhr zum Gedächtnis des Todes Christi sowie das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit, das Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 für den Sonntag nach Ostern eingesetzt hat. Ihre Botschaft ist von entwaffnender Einfachheit und dennoch unerschöpflich: Gottes Barmherzigkeit ist größer als jede Sünde, keine Seele liegt jenseits ihrer Reichweite, und die einzige Bedingung für ihren Empfang ist das Vertrauen.

Christus — Erfüllung und Mittelpunkt

Katholiken lesen die gesamte Heilige Schrift als auf Christus hingeordnet. Die Verheißungen, Opfer und Prophezeiungen des Alten Testaments — die Jungfrau, die einen Sohn namens Immanuel gebären wird, der Herrscher, der aus Betlehem kommen soll, der leidende Knecht, der um der Sünden vieler willen durchbohrt wird — finden in ihm ihre Erfüllung. Christus hebt das Gesetz und die Propheten nicht auf, sondern erfüllt sie und fügt alle Fäden des alten Bundes in den neuen und ewigen Bund zusammen, der in seinem Blut besiegelt ist.

Ebenso ist Christus der Mittelpunkt aller katholischen Mystik. Die Heiligen, denen Visionen zuteilwurden, die Stigmatisierten, die seine Wunden trugen, die Kontemplativen, die den Aufstieg der Seele zur Einigung mit Gott beschrieben — sie alle wurden nicht von einer Idee angezogen, sondern von der lebendigen Person Jesu. Er ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, derjenige, in dem Zeit und Ewigkeit sich begegnen.

Quellen & Weiterführende Literatur

  • Katechismus der Katholischen Kirche (vatican.va)
  • USCCB — Die Realpräsenz Jesu Christi in der Eucharistie
  • EWTN — Die Offenbarung des Heiligsten Herzens Jesu
  • TheDivineMercy.org — Die Barmherzigkeitskorona