Die Jungfrau Maria

Medjugorje: Die Königin des Friedens und der lange Weg der kirchlichen Unterscheidung


Seit Juni 1981 zieht das kleine Städtchen Medjugorje in Bosnien und Herzegowina Abermillionen von Pilgern an, die auf Berichte über Erscheinungen der Gottesmutter unter dem Titel „Königin des Friedens" hin dorthin wallfahren. Mehr als vier Jahrzehnte lang haben diese Ereignisse tiefer Frömmigkeit ebenso wie lebhafter Auseinandersetzung innerhalb der Kirche Vorschub geleistet. Im September 2024 legte der Vatikan ein sorgfältig formuliertes Urteil vor, das das geistliche Leben, das in Medjugorje aufgeblüht ist, gutheißt – ohne die Erscheinungen selbst als übernatürlich zu erklären.

🖼BildplatzhalterDer Erscheinungsberg außerhalb von Medjugorje, wo im Juni 1981 die erste Erscheinung gemeldet wurde
Der Erscheinungsberg außerhalb von Medjugorje, wo im Juni 1981 die erste Erscheinung gemeldet wurde

Die Anfänge

Das Geschehen begann am 24. Juni 1981, als mehrere junge Menschen an einem Hügel außerhalb des Dorfes berichteten, eine leuchtende weibliche Gestalt gesehen zu haben, die ein Kind auf dem Arm trug. In den folgenden Tagen bildete sich der Kreis von sechs Seherinnen und Sehern heraus: Ivan Dragićević, Marija Pavlović, Vicka Ivanković, Mirjana Dragićević, Ivanka Ivanković und Jakov Čolo, die damals zwischen etwa zehn und sechzehn Jahren alt waren.

Die Seherinnen und Seher berichteten, die Erscheinung habe sich als die Seligste Jungfrau Maria, die Königin des Friedens, zu erkennen gegeben und erklärt, sie werde ihnen weiterhin erscheinen. Von Anfang an spielten sich die Ereignisse vor einem politisch angespannten Hintergrund ab – im damaligen kommunistischen Jugoslawien, wo religiöse Zusammenkünfte behördlichem Argwohn begegneten.

Die täglichen Erscheinungen und die Zehn Geheimnisse

Anders als die meisten überlieferten Marienerscheinungen, die sich über Wochen oder Monate erstreckten, sollen die Erscheinungen von Medjugorje Jahrzehnte lang angedauert haben. Nach Aussage der Seherinnen und Seher empfangen einige von ihnen weiterhin täglich Erscheinungen, während anderen diese nur noch an bestimmten Tagen im Jahr zuteilwerden.

Im Mittelpunkt ihrer Berichte stehen die sogenannten Zehn Geheimnisse – künftige Ereignisse, die die Erscheinung jedem Seher und jeder Seherin anvertraut haben soll und die zu einem bestimmten Zeitpunkt durch einen auserwählten Priester der Welt bekannt gemacht werden sollen. Die Seherinnen und Seher erklären, dass die täglichen Erscheinungen für die betreffende Person enden, sobald sie alle zehn Geheimnisse empfangen hat. Diese Aussagen, ihrem Wesen nach nicht nachprüfbar, gehören zu den am eingehendsten untersuchten Aspekten des Phänomens.

🖼BildplatzhalterDie Pfarrkirche Sankt Jakobus in Medjugorje, das geistliche Herzstück von Millionen von Wallfahrten
Die Pfarrkirche Sankt Jakobus in Medjugorje, das geistliche Herzstück von Millionen von Wallfahrten

Die Botschaften: Friede, Umkehr, Gebet, Fasten

Die Spiritualität, die mit Medjugorje verbunden ist, kreist um einen beständigen Kern von Themen, die die Seherinnen und Seher der Königin des Friedens zuschreiben. Allen voran steht der Friede – der Friede mit Gott und unter den Menschen –, der als Frucht der inneren Bekehrung und nicht bloß als politische Stille verstanden wird.

Neben dem Frieden rufen die Botschaften wiederholt zum täglichen Gebet auf, insbesondere zum Rosenkranz, sowie zum Fasten, herkömmlicherweise an Mittwoch und Freitag, zur regelmäßigen Beichte und zum Empfang der heiligen Eucharistie sowie zur Lesung der Heiligen Schrift und zur Rückkehr zu Gott. Dies sind unverkennbar überlieferte katholische Frömmigkeitsübungen, und auf die geistlichen Früchte, die sie hervorgebracht haben, stützt sich das schließliche Urteil der Kirche in wesentlicher Weise.

Die Nota des Vatikans von 2024

Nach Jahren eingehender Prüfung – darunter durch eine vatikanische Untersuchungskommission, deren Ergebnisse nie förmlich veröffentlicht wurden – veröffentlichte das Dikasterium für die Glaubenslehre am 19. September 2024 eine Note unter dem Titel „Die Königin des Friedens", die Papst Franziskus am 28. August gebilligt hatte. Unter Anwendung der noch im selben Jahr erlassenen neuen Normen zur Unterscheidung übernatürlicher Phänomene erteilte das Dikasterium ein Nihil obstat, das heißt: Es steht nichts im Weg, dass die Gläubigen mit kluger Zustimmung diese Frömmigkeit annehmen und sich öffentlich daran beteiligen.

Entscheidend ist, dass die Note ausdrücklich festhält, dieses Nihil obstat sei keine Erklärung übernatürlichen Ursprungs der Erscheinungen, und die Gläubigen seien nicht verpflichtet, an sie zu glauben. Das Dokument richtet seinen Blick stattdessen auf die reichen geistlichen Früchte: Bekehrungen, die Rückkehr zur Beichte und zur heiligen Kommunion, Berufungen zum Priester- und Ordensleben, Heilung von Ehen und Werke der Nächstenliebe.

VideoplatzhalterPilger beim Rosenkranzgebet – der täglichen Andacht, die im Mittelpunkt der Botschaft von Medjugorje steht
Pilger beim Rosenkranzgebet – der täglichen Andacht, die im Mittelpunkt der Botschaft von Medjugorje steht

Was die Zustimmung bedeutet – und was nicht

Das Urteil von 2024 stellt eher eine wichtige Klärung als ein abschließendes Verdikt über jede gemeldete Botschaft dar. Der Vatikan hat ausdrücklich zwischen der echten Gnade, die im Leben der Pilger wirksam ist, und der noch offenen Frage nach den Erfahrungen der Seherinnen und Seher unterschieden, und er hat darauf hingewiesen, dass die positiven Früchte nicht mehr von den Sehern als Mittelpunkt abhängen.

Die Note hat die Frömmigkeit auch behutsam auf das Wesentliche hingelenkt: Die geistlichen Güter fließen vor allem aus der Wallfahrt zum Heiligtum mit seinem Gebet, den Sakramenten und der Gemeinschaft – nicht aus der Teilnahme an den mutmaßlichen Erscheinungen der Seherinnen und Seher. Im Ergebnis hat die Kirche Medjugorje als Ort echten christlichen Aufbruchs anerkannt und sich dabei jedes Urteils über den übernatürlichen Charakter des Phänomens selbst enthalten.

Quellen & Weiterführende Literatur

  • Vatican.va — Nota des DGF „Die Königin des Friedens" (2024)
  • Vatican News — Nota des DGF, Frömmigkeit in Medjugorje
  • USCCB — Der Vatikan erkennt den geistlichen Wert von Medjugorje an